Technik-Unterricht: Forum eV
Verband der Techniklehrer für die gymnasiale Oberstufe in NRW 
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Entsorgung von Ätzflüssigkeiten

 
1. Sicherheit beim Arbeiten mit häufig verwendeten Ätzbädern: 

Alle Ätzbäder sind Gefahrstoffe und müssen mit den entsprechenden Gefahrensymbolen und Gefahren- und Sicherheitshinweisen gekennzeichnet werden. Bei der Arbeit sind Schutzbrille und Schutzhandschuhe zu tragen. Letztere sind besonders bei der Arbeit mit Persulfat-Lösungen wichtig, da diese sensibilisierend sind, d. h. sie besitzen ein Allergie auslösendes Potential. 

  1. Eisen(III)-chlorid {FeCl3}
Gefahrensymbol: C (ätzend) 

Gefahrenhinweise: R22 = Gesundheitsschädlich beim Verschlucken.  

R38 = Reizt die Haut.  

R41 = Gefahr ernster Augenschäden. 

Sicherheitshinweise: S26 = Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen 

und Arzt konsultieren.

  1. Ammoniumpersulfat {Ammoniumperoxodisulfat, (NH4)2S2O8} und 
  2. Natriumpersulfat {Natriumperoxodisulfat, Na2S2O8}
Gefahrensymbol: Xn (mindergiftig) 

Gefahrenhinweise: R22 = Gesundheitsschädlich beim Verschlucken.  

R42/43 = Sensibilisierung durch Einatmen und Hautkontakt möglich. 

Sicherheitshinweise: S26 = Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen 

und Arzt konsultieren.

  1. Wasserstoffperoxid/Salzsäure {H2O2/HCl} Bei guter Lüftung oder im Abzug arbeiten!
  2. Gefahrensymbol: C (ätzend) 

    Gefahrenhinweise: R31 = Entwickelt giftige Gase. 

    R34 = Verursacht Verätzungen. 

    R37 = Reizt die Atmungsorgane. 

    Sicherheitshinweise: S1 = Unter Verschluß aufbewahren. 

    S23 = Gas / Rauch / Dampf / Aerosol nicht einatmen. 

    S26 = Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen 

    und Arzt konsultieren. 

    S28.1 = Bei Berührung mit der Haut sofort abwaschen mit viel Wasser. 

    S36/39 = Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung und Schutzbrille tragen. 

  3. Gebrauchte Ätzbäder
Zur Aufbewahrung der Ätzbäder 2, 3 und 4 sollten Glas- oder Polyethylenflaschen verwendet werden, deren Verschluß durchbohrt ist, da diese Ätzbäder Gase entwickeln, die bei dicht verschlossenen Gefäßen zum Platzen führen können.  Gefahrensymbol: T (giftig) 

Gefahrenhinweise: R25 = Giftig beim Verschlucken. 

R34 = Verursacht Verätzungen. 

R37 = Reizt die Atmungsorgane. 

Sicherheitshinweise: S1/2 = Unter Verschluß aufbewahren. 

Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. 

S23 = Gas / Rauch / Dampf / Aerosol nicht einatmen. 

S26 = Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser 

abspülen und Arzt konsultieren. 

S28.1 = Bei Berührung mit der Haut sofort abwaschen mit viel Wasser. 

S36/39 = Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung und Schutzbrille tragen

 
 
 
 
 
 
 
 
2. Entsorgung von Ätzbädern: 

Die beim Ätzen von Platinen und Messing- bzw. Kupferblechen anfallenden Ätzlösungen enthalten Cu2+-Ionen, die stark fischtoxisch sind und nicht ins Abwasser gelangen dürfen. 

Der Cu2+-Ionen-Gehalt des eingeleiteten Abwassers darf den Wert von 2 mg/l nicht überschreiten. Ätzbäder müssen daher entweder als Sondermüll entsorgt werden oder so aufbereitet werden, daß der Grenzwert eingehalten wird.  

  1. Entsorgung als Sondermüll
  2. Sammeln der Ätzbäder gegebenenfalls nach Arten getrennt in Flaschen bis ca. 2,5 l . Die Flaschen müssen ordnungsgemäß beschriftet werden. Ein Musteretikett ist im Anhang (2). 

  3. Entsorgung durch Aufbereitung (Reduktion mit Stahlwolle)
Da Ätzbäder als anorganische Laborabfälle (AS 59303* ) behandelt werden, ist die Entsorgung als Sondermüll sehr teuer. Je nach Entsorgungsbetrieb ist mit Kosten von 35,- DM bis 60,- DM je Liter Ätzbad zu rechnen. Es lohnt sich folglich durch Aufarbeitung diese Kosten deutlich zu reduzieren. 

Von der Verwendung von Ammoniumpersulfat als Ätzbad muß dann dringend abgeraten werden, da Ammoniumsalze starke Fischgifte sind und nicht ins Abwasser eingeleitet werden dürfen. Natriumpersulfat arbeitet genauso gut. Es ist aber nicht fischtoxisch. Natriumpersulfat (Arbeitstemperatur ca. 40°C) ist z. B. bei Conrad unter den Best.-Nr. 53 17 90 und 52 92 57 als Ätzmittel für die Ätzanlagen erhältlich.  

Die Ätzbäder werden wie bei der Entsorgung als Sondermüll gesammelt bis sich der Arbeitsaufwand für die Aufarbeitung lohnt (1-2 l Ätzbad). Ein Musteretikett ist im Anhang (3). 

Aufbereitung 

  1. Eisen(III)-chlorid-Ätzbäder werden auf das 3 bis 4-fache Volumen verdünnt. Bei den anderen Ätzbäder reicht eine 2-fache Verdünnung.
  2. Die Ätzbäder werden auf pH » 3 gebracht.
  3. Der Reduktor (s. Anlage 1) wird locker mit Stahlwolle (Größe 00, im Baumarkt erhältlich) gefüllt und maximal bis zur Hälfte mit dem Ätzbad beschickt. Die Reduktion:
  4. ist so stark exotherm, daß die Lösung bei hoher Konzentration bis zum Sieden erhitzt wird und bei zu fester Stopfung der Stahlwolle aus dem Reduktor gedrückt werden kann. 

  5. Läßt man die Lösung 2 3 Stunden stehen, so ist bei ausreichende Menge Stahlwolle die Umsetzung vollständig. 
  6. Einige ml der ablaufenden Flüssigkeit werden mit 1 ml konz. Ammoniak versetzt. Tritt keine Blaufärbung auf, sind die Cu2+-Ionen bis auf das zulässige Maß für die Abwassereinleitung entfernt. Sollte eine Blaufärbung auftreten, muß der Vorgang mit frischer Stahlwolle wiederholt werden.

  7.  
  8. Die abgelaufene gelblich-grüne Lösung läßt man 1-2 Tage in einem offenen Gefäß stehen oder leitet Luft durch, um die Fe2+-Ionen zu Fe3+-Ionen zu oxidieren. Die Lösung kann danach in das Abwasser gegeben werden.

  9. Wenn der Reduktor erschöpft ist, wird das abgeschiedene Kupfer getrocknet und in einem verschlossenen Polyethylenbeutel zum Restmüll gegeben.
 
 
 
  1. Herstellung des Reduktors
Als geeignetes Material für eine einfache und preiswerte Herstellung eines Reduktors haben sich Steckteile für Abflußrohre aus PVC erwiesen, die in passender Größe im Baumarkt zu erhalten sind. 

Der Durchmesser des Reduktors sollte je nach anfallendem Ätzbadvolumen zwischen 5 und 10 cm und die Höhe etwa 50 cm sein. Zur Sicherheit sollte das Rohr und die Abdeckkappe mit einem PVC-Kleber verklebt werden. Auch der Ablaufhahn aus Kunststoff (ebenfalls im Baumarkt erhältlich) sollte eingeklebt werden.

 
Musteretikett für Sammelgefäß zur Entsorgung
 
Ätzflüssigkeiten
(Sammelgefäß für Entsorgung)
saure Schwermetallsalzlösungen
w(Säuregehalt)<20%

AS 59303

  1. Giftig beim Verschlucken. Verursacht Verätzungen. Reizt die Atmungsorgane.
  2. Unter Verschluß aufbewahren. Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. Gas / Rauch / Dampf / Aerosol nicht einatmen. Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren. Bei Berührung mit der Haut sofort abwaschen mit viel Wasser. Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung und Schutzbrille tragen.
 

 

 

 
Musteretikett für Sammelgefäß zur Aufarbeitung
 
Ätzflüssigkeiten
Sammelgefäß
für die Aufarbeitung im Reduktor
  1. Giftig beim Verschlucken. Verursacht Verätzungen. Reizt die Atmungsorgane.
  2. Unter Verschluß aufbewahren. Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. Gas / Rauch / Dampf / Aerosol nicht einatmen. Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren. Bei Berührung mit der Haut sofort abwaschen mit viel Wasser. Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung und Schutzbrille tragen.
 
Musteretikett für die Beschriftung des Reduktors
 
Reduktor
  1. Reduktor mit Stahlwolle füllen.
  2. Ätzbad auf pH 3 einstellen.
  3. Reduktor max. zur Hälfte mit Ätzbad füllen.
  4. 2-3 Stunden reagieren lassen.
  5. Ablauf mit NH3 auf Cu2+-Ionen prüfen.
  6. Im offenen Gefäß mehrere Tage stehenlassen und dann in den Abfluß geben.

Autor: Uwe Rehling, Bessel-Gymnasium, Minden
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